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X-CODE-X Drucken
Geschrieben von Jens Carstensen   
Friday, 23. September 2005
X wash 270x180.jpgX-CODE-X, ein Kammermusik-Ensemble stellt sich den Klangstrukturen städtischer und industrieller Orte. Steigen sie ein in eine Reise durch Autowaschstraßen, Werften, Einkaufszentren und Rangierbahnhöfen.





X-CODE-X kombiniert ein Kammermusikensemble, bestehend aus zwei Violinen,
zwei  Saxofonen, Posaune, Tenorhorn, Kontrabass und Schlagwerk, mit dem
energetischen Fluss  der Improvisation, die konzeptionell sich an
Situationen/Räumlichkeiten im  ´öffentlichen Raum` ausrichtet, in der diese
Musik aufgeführt wird.
In Schiffbauhallen, Dockanlagen, Rangierbahnhöfen, Autowaschstraßen,
Einkaufszentren  usw. sucht X-CODE-X die Berührung mit ´konkretem Klang`.
Diese städtischen und  industriellen Klangatmosphären werden als Grade
klanglicher Dichte und Dynamik  untersucht und in musikalische Verfahren
eingebunden.

Im Rahmen von Konzertphasen des Ensembles wird die Ebene ´Atmo` durch einen
umfangreichen Einsatz von Live-Elektronik und Samplern erweitert.

X-CODE-X: ‚SOLL’N NACH ZWÖLFE LAUFEN’(CD Q-tip-Musik 93002)

Was ist X-CODE-X ? - Ein Kurzessay von Radjo Monk
Ist X-CODE-X eine Art dissipatives Strukturbündel, das man nicht einrahmen
und an die  Wand hängen kann ? Eine Metapher, die sich selbst beschreibt ?
Oder eine akustische  Karte, mit deren Hilfe sich ein Hörer im Labyrinth der
Schwingungen zurecht finden kann, wobei a) dieses Labyrinth sich selbst
hervorbringt und b) der Labyrinthgänger mit der ganzen Geschichte nur dann
etwas anfangen kann, wenn er weiß, wo er hin will ? - ein Umstand übrigens,
der in  Zeiten receycelbarer Second-Hand-Ziele von besonderer Bedeutung ist.
Mir kamen kürzlich Mitschriften von Vorträgen eines gewissen Dr. Thordock in
die Finger, die in diesem Zusammenhang interessant sein könnten.
Dr. Thordock war in den neunziger Jahren berühmt für seine Vorträge, die er
in Unterführungen und auf Bahnsteigen hielt. Seit der Jahrtausendwende hat
er sich  einen Namen gemacht als Wanderprediger des horizontalen Wissens.
Kritiker schätzen an ihm nicht nur das originäre seiner Ideen, sondern auch
die Art, wie er sie vermittelt. Er selbst legt nie etwas schriftlich dar und
hat stets eine Bürste zur Hand, wenn ein Staubmantel erscheint.

Ich will etwas aus diesen Mitschriften zitieren: „Der künstlich erzeugte
Klang ist die hörbar gemachte Potenz eines natürlichen Klanges. In ihrem
Wechselspiel, dessen Vielfalt endlos ist, wird das Geheimnis der Musik
evident. Dieses Geheimnis besteht in der Tatsache , dass alles hörbar ist,
weil alle Materie Schwingungen abgibt. Man kann sagen, die Dinge hören
einander. Das der Mensch dabei eine Ausnahme macht, ist eine andere Frage,
nämlich  die seiner hominiden Fixiertheit. Im morphogenetischen Kontext ist
er, von Ausnahmen  abgesehen, ein eher unterentwickeltes Wesen.“

Nun, ich möchte behaupten: X-CODE-X beweist das Gegenteil bzw. steht für
das, was Dr.  Thordock in der für ihn typischen Zurückhaltung mit Ausnahme
umschreibt. Obwohl ich der Überzeugung bin, dass man das Wesen der Musik mit
bestimmten Fragestellungen nur entzaubert, möchte ich doch eine in Bezug auf
das Stück „SOLL’N NACH ZWÖLFE LAUFEN“ stellen, das in meinen Ohren den
faszinierenden Abschluss der CD bildet, was wohl auf die bestechende Mischung aus
transparenten Klangstrukturen mit Elementen des Hörspiels und Subtilen
Interpretationen des elektroakustischen Basismaterials zurückzuführen ist.

Das Ensemble:

Ele Grimm - Violine, Posaune,
Martin Verborg - Violine, Saxofon,
Jens Carstensen - Saxofon, Elektronik
Ulrich Phillipp - Kontrabass, Tenorhorn,
Wolfgang Schliemann - Schlagwerk,

Veröffentlichungen: CD ‚SOLL’N NACH ZWÖLFE LAUFEN’(Q-tip-Musik 93002)
Video „1. Bremerhavener Stattmusik“