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MUSIK FÜR LANGSAITE & PIANO & PERCUSSION |
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Geschrieben von Jens Carstensen
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Friday, 23. September 2005 |

In der "2. Musik für Langsaiten" bilden die Beziehungen zwischen den historischen Entwicklungen der "Entdeckung" der physikalischen Eigenschaften des Klanges anhand der schwingenden Saite und deren Auwirkung auf das'temperierten' Tonsystem, der ersten industriellen Soundmaschine (dem Konzertflügel) und dem digitalen Samplingkeyboard das Feld für die musikalische Exploration
Musik für Langsaiten, präpariertes Klavier und Live-Elektronik von Jens P. Carstensen
Das Konzept einer neuen Langsaitenkomposition beleuchtet die Beziehungen zwischen einem musikalischen Archetyp - die schwingende Saite -, 'dem' Instrument der abendländischen Musikkultur - das Klavier - und dem aktuellen Instrument der medialen Musik - das digitale Samplingkeyboard. Die schwingende Saite ist auf einen Resonanzraum zur Verstärkung angewiesen. Der Flügel ist das erste (Saiten-) Instrument mit einer potenzierten Verstärkung und einem eigenen Hallraum. Das digitale Samplingkeyboard bedient sich der Klaviatur zum Abrufen von gespeicherten Klängen jeder (Klang-) Art und zwängt sie über ihr technisches Verfahren (Abtastrate - Auslesegeschwindigkeit) in eine 'temperierte' Stimmung.

Mein Interesse an dieser Arbeit liegt in der Vernetzung von archaischem Urtyp (Langsaite), dessen eine geschichtliche Ausformung im Zusammenwirken mit der Verbreitung der temperierten Stimmung in der Entwicklung des Klavieres/Konzertflügels einen Höhehepunkt erreichte und maßgeblich seit dem 18.Jahrhundert musikalisches Denken beeinflusste. Die Domestisierung der natürlichen Stimmigkeit durch ein technisiertes Verfahren findet heute eine Entsprechung in der an der Reproduktion des natürlichen Klanges orientierten Verfahrensweise des Sampling, des Sammelns und Speichern von Klängen. Kommunikation zwischen diesen und mittels dieser drei Archetypen zu initiieren, ist das Anliegen meiner kompositorischen Arbeit.

Diese Arbeit bewegt sich zwischen den Polen Raumarbeit, Raumgestaltung, Raumtheatralisierung. Sie ist konzipiert für den Ort ihres Erklingens. Aufbau: Je ein Satz Langsaiten wird über einen offenen Klavierrahmen gezogen; der Flügel erhält eine Präparation, das Samplingkeyboard wird gefüttert mit Klängen, die im Spielprozeß von den anderen Klangerzeugern (Langsaiten/Flügel) mittels Mikrofonen in die Speicher transferiert werden. Dieser Spiel-Platz ist die Vernetzungsstelle zwischen realklingenden (musikalisch-) illusionierenden und elektronisch illusionierten Raum.

Bremerhaven 1994:
Jens Carstensen - Langsaite, SK1 Wolfram Dix - Langsaite, Percussion Uwe Oberg - Piano Wolfgang Schliemann - Schlagzeug
Veröffentlichungen: CD: Exploration (Q-tip-Musik 94001)
Friedenskirche Leipzig 2002:


Jens Carstensen - Langsaite Wolfram Dix - Percussion, Wave Drum Stephan König - Klavier, Orgel |